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Das Blue Balls Festival 2001
9. Luzerner Blues Session, 20.-28. Juli
Das Luzerner Blues Festival ist so bekannt, wie das Jazz Festival in Montreaux,
teilweise treten auf beiden Festivals auch die gleichen Künstler auf.
Das Blues Festival ist daher auch kein reines Blues Festival, denn Maceo Parker und
Candy Dulfer gehören auf jeden Fall dem Jazz an. Wozu Willy de Ville gehört,
kann ich garnicht sagen, ich würde ihn zur Kategorie arrogante und schlechte Musiker rechnen. Ich weiß nicht,
wie oft ich bei diesem Konzert daran denken mußte, wieviel (zuviel) ich für die
Konzertkarte habe zahlen müssen, aber ich habe mich auf jeden Fall genügend
über sein affiges Gehabe, um seine Haare geärgert. Hätte er nicht einen
so ausgezeichneten Gitarristen auf der Bühne gehabt, ich hätte wahrscheinlich
den Saal verlassen. Vielleicht stehe ich mit meiner Meinung aber auch alleine auf weiter
Flur, denn er scheint viele Fans, vor allem weibliche zu haben. Am Schluß des
Konzerts verteilte er - zum Vergnügen der Damen - rote Rosen.
Ein großes Manko an dem Festival ist, daß es nicht so etwas wie einen Festival-
Paß gibt, d.h. man muß jede Konzertkarte einzeln kaufen. Teilweise empfiehlt es
sich, die Konzertkarten im voraus zu kaufen, da die Konzerte wie bei B.B. King und Van Morrison
vor Ort bereits ausverkauft waren. Bestellen kann man die Konzertkarten bei www.ticketcorner.ch, pro
Sendung werden 20 SFr (!) berechnet. Umso ärgerlicher war es, daß, das Konzert von B.B.
King erst später bekannt gegeben wurde und ich zweimal Karten ordern mußte. Die Konzertkarten kosten zwischen 55 SFr und 69 SFr.
Es gibt auch kostenlose Konzerte im Freien oder im Casino. Zu den für jedermann
zugänglichen Konzerte gibt es ein Programmheft, welches überall vor Ort gratis
verteilt wird. Die Open-Air-Konzerte finden direkt gegenüber des KKL, auf der anderen Seite des
Vierwaldstätter Sees statt. Einen ganz tollen Service bot die Firma Smart an. Mittels einer Fähre konnte man
hin- und herpendeln, an Bord bekam man ebenfalls gratis ein Getränk. Auf
dem Open-Air-Konzert hörte man u.a. junge Talente wie Ana Popovic.
Auslöser meiner Reise war, daß ich endlich einmal Keb´ Mo live sehen wollte,
leider hatte ich bis dato ihn noch nie in Deutschland gesehen. Keb´ Mo & Band (USA), der mit richtigen Namen Kevin Moore heißt, konnte am
ersten Abend bestaunt werden. Er ist wahrscheinlich derjenige, der die meisten Zugaben
spielte. Immer wieder kehrte er zur Bühne zurück. Ein sympathisch wirkender Blueser der
meiner Meinung nach viel besser live als auf seinen CDs ist. Erhältlich sind von ihm
insgesamt fünf CDs. Vier seiner CDs sind sehr empfehlenswert: Keb Mo (1994),
Just like you (1996), Slow Down (1998), The Door (2000). Von einem Kauf abraten kann ich
nur bei Big wide grin (2001), seine gesamte Familie kommt hier zum Zuge - grausam. Aber
jeder macht ja bekanntlich mal Fehler und wir wollen hoffen, daß Keb´ Mo wieder zu
seinem doch so schönen Stil zurückkehrt.
Candy Dulfer (NL) mit ihrer Band war nicht nur Vorgruppe von Maceo Parker (USA), sondern
spielte gegen Ende des Konzerts mit ihm zusammen.Candy Dulfer bekam für eine Vorgruppe ungewöhnlich
viel Ablaus, sie gab mehrere Zugaben. Bei einem Stück - während des spielens (!) - legte sich die gesamte Band
auf den Boden und spielte weiter, egal ob Schlagzeuger, Keyboarder oder Candy mit ihrem Saxophon. Maceo Parker und seine Band, spielte u.a.
sehr viel von seiner CD "funkoverload". Sein Sohn läßt oft mit seinem Gesang Rapp-Komponenten
miteinfließen. Bestes Bespiel: "Maceo´s Groove" von der besagten CD.
Am dritten Tag spielte Willy de Ville den ich bereits anfangs erwähnte und zu dem ich mich auch nicht weiter
äußern werde.
Am Montag folgte the King of the Blues B.B. King (USA), mittlerweile ist der gute Mann schon 76 Jahre alt und wer weiß wie oft
man noch das Vergnügen haben wird ihn live zu sehen. Ich bin nicht ein übergroßer Fan von B.B. King wollte ihn jedoch aus den
vorgenannten Gründen dennoch mal live sehen. So hatte doch auch John Lee Hooker
letztes Jahr seine Konzerte absagen müssen und ist dieses Jahr - Gott hab´ihn seelig - gestorben. Sicher war John Lee Hooker
noch etwas älter, aber auch B.B. King ist schon ziemlich alt und nach seinen Ausmaßen - der typisch amerikanischen
Marshmallowfigur - zu urteilen, lebt er auch nicht gerade sehr gesund. So konnte er sich auch nicht mehr großartig bewegen. Er saß
auf einem Stuhl und bewegte sich nicht mehr von dort weg. Zugaben gab es keine. Ich habe dies bereits öfter erlebt, haben die Alt-Stars
erst einmal ein gewisses Alter erreicht, gibt es keine Zugaben mehr. So auch bei den Buena Vista Social Club Altmeister. Nun ja, daß macht
ein Konzert nicht unbedingt schlechter, aber es fehlt doch immer etwas. Da die Stimmung doch dann meist am besten ist. Ehrlich gesagt fand ich den
Künstler, der vor B.B. King auftrat und leider nirgendwo erwähnt wurde besser als den eigentlichen Star. Es war Guy Davis und er spielte
viele Songs aus seiner CD "You don´t know my mind".
Für Van Morrison (IRL) gab es leider vor Ort keine Karten mehr, deshalb kann ich mir hier kein Urteil erlauben.
Jedoch bekam ich vor Ort noch eine Karte für Robert Cray (USA) und blieb zwei Tage länger als ursprünglich vorgesehen.
Robert Cray ist in den USA in Sachen Blues derzeit der große Star. Ich denke, dies ist wahrscheinlich auch, weil er einen breiten
Geschmack trifft. Seinen Blues kann man immer hören, es gibt Blues, der ist zu rockig wie Ines Sibun, Johnny Winter, Rory Gallagher,
Bernhard Allison, sie sind (waren) alle großartig, aber man kann die Musik nicht immer hören und es ist auch nicht jedermans Geschmack.
Dann gibt es Blues, der ist zu langsam, als daß man ihn immer hören könnte, aber Robert Cray trifft -meiner Meinung- nach genau die
Ecke, womit sich auch Geld machen läßt. Auf dem Konzert spielte er natürlich u.a. einiges aus seiner neuen CD "Shoulda Been
Home".Die ich ruhigem Gewissens jedem empfehlen kann. Da ich anschließend noch zwei Tage nach Mailand fuhr, kann ich nichts mehr zu den
Konzerten von Popa Chubby (USA) und Jeff Healey (USA) schreiben. Was die deutsche Band Orange Blue auf dem Festival sollte, wurde mir nicht ganz klar.
Die Konzertkarten sollten sich nicht gut verkauft haben, wen wundert´s?
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